Tierschutzhund in Deutschland

- Wenn die Eingewöhnung nicht klappt

Viele Hunde aus dem Tierschutz bringen besondere Erfahrungen mit. Die Umstellung auf eine neue Umwelt, neue Routinen und neue Menschen kann – je nach Vorgeschichte und individueller Belastbarkeit – sehr unterschiedlich verlaufen.

Manche Hunde brauchen einfach Zeit und Ruhe. Andere zeigen früh deutliche Anzeichen, dass sie mit der Situation überfordert sind - und eigenständig keine sinnvollen Lösungen finden.


In solchen Fällen ist es sinnvoll, nicht abzuwarten, sondern frühzeitig verhaltensmedizinisch abzuklären, was Dein Hund braucht.

Anpassung ist individuell

– von „braucht Zeit“ bis „verhaltensmedizinischer Notfall“

Es ist normal, dass ein Hund nach der Ankunft im neuen Zuhause zunächst vorsichtig oder zurückhaltend ist.
Wenn jedoch starkes Stress- oder Angstverhalten dominiert oder sich verschlechtert, kann das ein Hinweis darauf sein, dass Dein Hund nicht mehr „einfach nur ankommt“, sondern dass professionelle Unterstützung notwendig ist.

Gerade bei sehr ausgeprägter Angst können Situationen entstehen, die als verhaltensmedizinisch dringend einzuschätzen sind – weil Leiden und Gesundheitsrisiken zunehmen und Lernen kaum noch möglich ist.

Warnsignale, bei denen Du früh handeln solltest

Bitte nimm auffälliges Verhalten ernst, insbesondere wenn Dein Hund:


  • nicht oder nur unter großer Not nach draußen gehen will
  • starke Angst vor Menschen zeigt oder flüchtet
  • sich nicht anfassen lässt oder Panik bei Nähe entwickelt
  • nur frisst, wenn niemand anwesend ist
  • sich kein Geschirr anziehen lässt oder bei Handhabung stark reagiert
  • massive Geräuschangst zeigt (z. B. Alltagsgeräusche, Feuerwerk, Knallen)
  • sich über Tage kaum entspannt und dauerhaft „unter Strom“ wirkt


Diese Zeichen sind kein „Ungehorsam“, sondern häufig Ausdruck von Überforderung, Angst oder fehlender Bewältigungsstrategie.

Wenn die „Gewöhnung“ keine echte Entspannung ist

Manchmal wirkt es, als würde ein Hund „plötzlich ruhiger“ werden – er reagiert weniger auf auslösende Reize, wirkt „pflegeleichter“.
Das kann echte Entspannung sein. Es kann aber auch bedeuten, dass der Hund sich zurückzieht, weil er keinen Ausweg mehr sieht.

In solchen Fällen sprechen Verhaltenstierärzte unter anderem von starker Erschöpfung oder einem Zustand, der an erlernte Hilflosigkeit erinnern kann.


Entscheidend ist: Wenn ein Hund nicht aktiv zur Ruhe findet, sondern „abschaltet“, sollte das nicht als Erfolg interpretiert werden – sondern als Hinweis, einen Verhaltenstierarzt aufzusuchen.

Wie eine tierärztliche verhaltensmedizinische Diagnostik hilft

In der verhaltensmedizinischen Anamnese und Diagnostik geht es darum, systematisch zu klären:


  • wie stark Stress und Angst ausgeprägt sind
  • welche Auslöser und Muster erkennbar sind
  • welche Umweltfaktoren und Alltagsabläufe angepasst werden sollten
  • ob körperliche Faktoren (z. B. Schmerzen, Erkrankungen) eine Rolle spielen
  • welche Maßnahmen realistisch und tierschutzgerecht umsetzbar sind


Ziel ist ein individueller, diagnosebasierter Therapieplan, der Deinem Hund Sicherheit gibt und Euch einen gangbaren Weg in den Alltag ermöglicht. Dabei arbeiten wir gemeinsam mit Hundetrainern bundesweit im Fallmanagement zum Wohl von Hund und Halter.

Frühzeitige Unterstützung schützt – Hund und Halter

Je länger ein Hund in dauerhaftem Stress bleibt, desto schwerer kann es werden, neue Strategien zu lernen. Außerdem besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass der Hund auch körperlich krank wird.


Frühe Unterstützung ist deshalb kein „Überreagieren“, sondern häufig der sinnvollste Weg, um Leid zu begrenzen und den weiteren Verlauf positiv zu beeinflussen.

Erstkontakt per Videokonsultation

Der Einstieg erfolgt in der Regel über eine 30-minütige Videokonsultation.


Sie dient dem gegenseitigen Kennenlernen und einer ersten fachlichen Einschätzung.

Dabei klären wir gemeinsam:


  • die aktuelle Situation und Deine wichtigsten Beobachtungen
  • ob eine verhaltensmedizinische Abklärung angezeigt ist
  • ob und in welcher Form eine weiterführende tierärztliche Verhaltenstherapie sinnvoll ist


So lässt sich frühzeitig feststellen, welche nächsten Schritte hilfreich sind.

Einordnung in die Verhaltenstherapie

Die Beratung zu Anpassungsproblemen bei Tierschutzhunden ist Teil der tierärztlichen Verhaltenstherapie bei FördeVet.

Kontakt und Termin

Wenn Du den Eindruck hast, dass Dein Hund stark leidet oder der Alltag kaum möglich ist, vielleicht auch schon seit längerer Zeit, dann nimm gerne Kontakt zu uns auf.